Studien

Wissenschaftliche Studien und aktuelle Forschungsergebnisse sind eine wichtige Grundlage für eine fundierte Auseinandersetzung mit Prostitution und der Umsetzung des Nordischen Modells.
In der AG Studien setzt sich der BVNM regelmäßig mit aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen auseinander. Wir sichten und analysieren relevante Studien, bewerten ihre Methodik und Aussagekraft und ordnen die Ergebnisse in den gesellschaftlichen und politischen Kontext ein.
Dabei geht es uns darum, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich aufzubereiten und für die öffentliche und politische Debatte zugänglich zu machen. Ein besonderer Fokus liegt auf Forschung zu den Auswirkungen von Prostitution, den Lebensrealitäten von Menschen in der Prostitution in verschiedenen Ländern, der Nachfrage nach kommerzialisierten sexuellen Handlungen sowie den Erfahrungen mit unterschiedlichen rechtlichen und politischen Ansätzen.
Auf dieser Seite stellen wir ausgewählte Studien vor, fassen zentrale Ergebnisse zusammen und geben eine fachliche Einordnung aus der Perspektive des Nordischen Modells.

Überblick über Studien und Auswertungen
Hier finden Sie einen Überblick über ausgewählte Studien sowie die dazugehörigen Auswertungen der AG Studien des BVNM. Die Ergebnisse werden verständlich aufbereitet und aus fachlicher Perspektive eingeordnet.
SyndikusRAin Dr. Sophie Charlotte Stüben: Die Würde der Frau in der Prostitution
Eine rechtstheoretische Betrachtung des Prostitutions- und Prostituiertenschutzgesetzes im Licht von Art. 1 Abs. 1 GG
Die Dissertation von Sophie Charlotte Stüben beschäftigt sich mit der Menschenwürde von Frauen in der Prostitution und der Frage, ob das schwedische Nordische Modell eine Alternative zur deutschen Prostitutionsgesetzgebung darstellt.
Die Arbeit ist umfangreich. Ihre Schlussfolgerungen zum Nordischen Modell sind aus Sicht des BVNMs jedoch nicht wissenschaftlich ausgewogen. Nach intensiver Beschäftigung kritisiert der Verband vor allem die mangelnde wissenschaftliche Neutralität der Autorin. Trotz des Anspruchs einer objektiven Analyse fließt ihre kritische Haltung gegenüber dem Nordischen Modell erkennbar in die Bewertung ein. Unterstützende Studien und Quellen werden teilweise als „umstritten“ eingestuft oder geringer gewichtet, während kritische Positionen stärker berücksichtigt werden. Es entsteht dadurch der Eindruck einer selektiven Quellenbewertung und einseitigen Interpretation, die die wissenschaftliche Aussagekraft der Schlussfolgerungen zum Nordischen Modell erheblich einschränkt.
Insgesamt gelangt die Autorin zu einer nahezu durchgehend negativen Bewertung des Nordischen Modells und nutzt fälschlicherweise - absichtlich oder unabsichtlich - das Wort „Prostitutionsverbot“. Stübens Schlussfolgerungen erscheinen angesichts der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur nicht hinreichend ausgewogen. Es existieren Untersuchungen, die zu deutlich positiveren Bewertungen des Nordischen Modells kommen, insbesondere hinsichtlich der Bekämpfung von Menschenhandel, Zwangsprostitution und organisierter Kriminalität.
Deshalb sollte die Dissertation von Sophie Charlotte Stüben nicht als abschließender wissenschaftlicher Beleg gegen das Nordische Modell verstanden werden, sondern als eine ihrerseits kritisch zu prüfende Position in einer weiterhin kontroversen wissenschaftlichen und politischen Debatte.
Es entsteht der Eindruck, dass die Autorin ein wissenschaftliches Konstrukt um ein bereits feststehendes Ergebnis herum entwickelt hat: Ihre Befunde werden selektiv herangezogen, um eine bereits bestehende Ablehnung des Nordischen Modells nachträglich wissenschaftlich zu legitimieren. Was bei einem Doktorvater, der durch seine zahlreichen Veröffentlichungen und Stellungnahmen als einer der profiliertesten Kritikern des Nordischen Modells in Deutschland angesehen werden kann, im Grunde nicht verwundert.
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